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Digitale Werkzeuge im Lockdown: Was Betrieben jetzt wirklich hilft

Zwischen Aktionismus und Schockstarre liegt ein pragmatischer Mittelweg. Eine ehrliche Sortierung der Möglichkeiten.

Der November hat vielen Betrieben erneut die Tür zugemacht, und wieder überschlagen sich die Ratschläge: Jetzt sofort einen Onlineshop! Jetzt auf allen Kanälen posten! Jetzt digitalisieren, was nicht niet- und nagelfest ist! Wir erleben in Gesprächen mit Unternehmen aus Mechernich und dem Kreis Euskirchen gerade beides, hektischen Aktionismus und resignierte Schockstarre. Beides ist verständlich, beides ist teuer. Dieser Beitrag sortiert, welche digitalen Werkzeuge sich jetzt kurzfristig lohnen, welche Zeit brauchen und welche man getrost verschieben darf.

Sofort wirksam: erreichbar und auskunftsfähig sein

Bevor über Shops und Systeme geredet wird, gehört das Fundament geprüft. Stimmen die Öffnungszeiten bei Google und auf der Website? Steht dort, wie Bestellung und Abholung gerade ablaufen? Wird das Telefon zuverlässig beantwortet oder wenigstens der Anrufbeantworter täglich abgehört? Das klingt banal, entscheidet aber in diesen Wochen über Umsatz. Kunden wollen kaufen, sie wollen nur wissen, wie. Eine schlichte, aktuelle Hinweisbox auf der Startseite bewirkt derzeit mehr als jede Imagekampagne.

Click und Collect: der unterschätzte Mittelweg

Zwischen geschlossenem Laden und komplettem Onlineshop liegt ein Modell, das gerade vielerorts funktioniert: bestellen per Telefon, E-Mail oder Formular, bezahlen per Überweisung oder bei Abholung, Übergabe am Fenster oder vor der Tür. Dafür braucht es keinen Shop, sondern nur eine klar beschriebene Abwicklung und im besten Fall eine einfache Produktübersicht als Liste oder PDF. Buchhandlungen, Hofläden und Fachgeschäfte in der Region machen es vor. Der Charme dieser Lösung: Sie ist in Tagen umsetzbar, kostet fast nichts und lässt sich später in Ruhe ausbauen, wenn sich zeigt, was die Kundschaft tatsächlich bestellt.

Terminbuchung und Videoberatung

Für Dienstleister, Praxen und beratungsintensive Geschäfte lohnt sich eine Online-Terminbuchung, mit der Kunden freie Zeiten selbst wählen. Das entlastet das Telefon und funktioniert auch nach dem Lockdown weiter. Beratungsgespräche lassen sich erstaunlich gut per Video führen, vom Küchenplaner bis zum Steuerbüro. Wichtig ist ein niedrigschwelliger Einstieg: ein Link, ein Klick, kein Kontozwang für den Kunden. Wer beides anbietet und sichtbar auf der Website kommuniziert, bleibt im Geschäft, während andere auf bessere Zeiten warten.

Der Onlineshop: richtig, aber selten sofort

Ein vollwertiger Shop mit Bezahlsystem, Versand und Rechtstexten ist für manche Betriebe der logische nächste Schritt, aber er ist ein Projekt von Wochen bis Monaten, nicht von Tagen. Wer ihn jetzt übers Knie bricht, bekommt oft eine teure Baustelle: unvollständige Produktdaten, ungeklärte Versandlogistik, Abmahnrisiken. Unsere Empfehlung: kurzfristig mit Click und Collect überbrücken, parallel in Ruhe prüfen, ob sich ein Shop dauerhaft trägt. Die ehrliche Rechnung mit Zeitaufwand, Gebühren und Versandkosten ernüchtert manchmal, und auch das ist ein wertvolles Ergebnis, bevor Geld fließt.

Sichtbarkeit: klein anfangen, ehrlich bleiben

Wenn das Fundament steht, darf über Reichweite geredet werden. Ein gepflegter Google-Eintrag, ein bis zwei kurze Beiträge pro Woche über das, was gerade möglich ist, dazu vielleicht eine kleine, regional begrenzte Anzeige: Das reicht in der aktuellen Lage meist aus. Große Kampagnen in einen Lockdown hinein zu schalten, dessen Dauer niemand kennt, ist dagegen selten klug. Die Menschen im Umkreis wollen im Moment vor allem wissen, dass es Sie noch gibt und wie sie bei Ihnen kaufen können. Genau das sollten Ihre Kanäle beantworten.

Was jetzt warten darf

Ein kompletter Website-Relaunch, das neue Logo, die große Imagebroschüre: All das hat weiterhin seinen Wert, aber es rettet keinen Dezember. Wer begrenzte Mittel hat, steckt sie zuerst in die Werkzeuge, die diese Woche Umsatz ermöglichen, und plant die Grundsatzprojekte für das Frühjahr. Dann übrigens gerne mit den Erkenntnissen aus dieser Zeit, denn selten hat man so klar gesehen, welche digitalen Lücken ein Betrieb wirklich hat. Wenn es so weit ist, helfen wir beim Auf- und Ausbau der Website gerne weiter.

Die Prioritäten in Kurzform

  • Erreichbarkeit und aktuelle Informationen auf allen Kanälen sicherstellen
  • Click und Collect mit einfachster Abwicklung anbieten
  • Terminbuchung und Videoberatung prüfen, wo Beratung das Geschäft trägt
  • Onlineshop nüchtern kalkulieren statt überstürzt bauen
  • Sichtbarkeit regional und ehrlich halten, Großprojekte ins Frühjahr schieben

Niemand weiß, wie lange dieser Winter dauert. Aber die Betriebe, die jetzt pragmatisch die einfachen Dinge richtig machen, gehen erfahrungsgemäß stabiler durch diese Zeit, und sie starten schneller wieder durch, wenn die Türen aufgehen. Ein letzter Gedanke dazu: Vieles, was gerade aus der Not entsteht, behält seinen Wert. Die Terminbuchung entlastet das Telefon auch im normalen Betrieb, die Abholung bleibt für manche Kunden der bequemste Weg, und die Übung im schnellen, ehrlichen Kommunizieren zahlt sich in jeder künftigen Lage aus. Insofern ist diese Zeit, bei allem Ernst, auch ein unfreiwilliges Trainingslager für die digitale Grundfitness eines Betriebs.

Oliver Misch, Autor dieses Beitrags bei der Werbeagentur kyom

Zum Autor: Oliver Misch

Geschäftsführer der medienplus GmbH

Oliver leitet seit 2009 die Agentur hinter kyom und hat in dieser Zeit mehr als 400 Webprojekte begleitet. Im Blog schreibt er auf, was sich davon verallgemeinern lässt. Bei Fragen zum Beitrag gerne direkt melden, mehr Hintergrund gibt es auf der Autorenseite.

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