Vor ziemlich genau einem Jahr wurde ChatGPT veröffentlicht, und seitdem erreicht uns eine Frage in fast jedem Projektgespräch: Können wir die Texte nicht einfach von der KI schreiben lassen? Die ehrliche Antwort ist unbequem, weil sie weder Ja noch Nein lautet. Nach einem Jahr intensiver Nutzung in der eigenen Arbeit können wir eine Zwischenbilanz ziehen: Was die Werkzeuge wirklich gut können, wo sie zuverlässig scheitern und wie ein Betrieb aus der Region sie einsetzen sollte, ohne sich die eigene Website zu verwässern.
Was die KI gut kann
In drei Bereichen sind die Sprachmodelle ehrlich beeindruckend. Erstens beim Start: Der leere Bildschirm verliert seinen Schrecken, wenn in Sekunden eine Rohfassung dasteht, an der man sich abarbeiten kann. Zweitens beim Umformen: Aus Stichpunkten wird ein Fließtext, aus einem langen Text eine Zusammenfassung, aus einer förmlichen Mail eine lockere. Drittens bei Struktur und Varianten: Gliederungen, Überschriften-Alternativen, verschiedene Tonlagen zum Vergleich. Wer Texte ohnehin selbst schreibt, spart mit diesen Handgriffen spürbar Zeit, im Alltag oft mehrere Stunden pro Woche.
Wo es zuverlässig hakt
Genauso klar sind die Schwächen. Die Modelle erfinden Fakten, und sie tun das mit vollem Selbstbewusstsein: Öffnungszeiten, Normen, Förderprogramme, Ortsdetails, alles kann falsch sein und klingt trotzdem richtig. Für eine Firmenwebsite ist das brandgefährlich, denn dort haftet man für Aussagen. Zweite Schwäche: der Einheitston. KI-Texte klingen glatt, höflich und austauschbar, voller Formulierungen wie maßgeschneiderte Lösungen und langjährige Erfahrung. Genau die Floskeln also, die eine gute Website vermeiden sollte. Und drittens fehlt das Wissen, das nur Sie haben: warum Ihr Betrieb Dinge anders macht, was auf Baustellen in der Region typisch ist, welche Fragen Ihre Kunden wirklich stellen. Ein Modell, das Mechernich nur als Wort kennt, schreibt über Mechernich wie über jede andere Stadt.
Was Google dazu sagt
Die Sorge, Google bestrafe KI-Texte pauschal, ist nach aktuellem Stand unbegründet. Google hat Anfang des Jahres klargestellt, dass die Herkunft eines Textes nicht entscheidend ist, sondern seine Qualität: Hilft der Inhalt Menschen weiter, zeigt er Erfahrung und Sachkenntnis? Das klingt beruhigend, hat aber eine zweite Seite. Massenhaft erzeugte Einheitstexte ohne eigenen Gehalt sind genau das, was die jüngsten Updates aussieben sollen. Die Grenze verläuft also nicht zwischen Mensch und Maschine, sondern zwischen Substanz und Füllmaterial. Wer die KI nutzt, um mehr belangloses Zeug schneller zu produzieren, optimiert in die falsche Richtung.
Der Arbeitsablauf, der sich bewährt hat
In unserer Textarbeit hat sich ein klarer Ablauf herausgebildet. Am Anfang steht immer das Gespräch mit dem Kunden, denn dort liegt der Rohstoff, den kein Modell liefern kann: echte Beispiele, eigene Haltungen, konkretes Wissen. Die KI hilft danach beim Strukturieren und bei Rohfassungen. Dann kommt der wichtigste Schritt: Menschen prüfen jeden Fakt, streichen die Floskeln und schreiben den Text in die Tonalität des Betriebs um. Als Faustregel gilt bei uns: Die KI darf den ersten Entwurf schreiben, nie die letzte Fassung. Und was fachlich heikel ist, von Preisangaben bis zu rechtlichen Aussagen, wird grundsätzlich von Hand geschrieben und gegengeprüft.
Empfehlungen für den eigenen Einsatz
- KI für Rohfassungen, Zusammenfassungen und Gliederungen nutzen, nicht für die Endfassung
- Jede Zahl, jeden Namen und jede Ortsangabe von Hand prüfen, ausnahmslos
- Eigenes Wissen einarbeiten: Beispiele, Projekte, regionale Details, echte Kundenfragen
- Floskeln streichen und den Text laut lesen: Klingt das nach Ihrem Betrieb?
- Keine massenhaft erzeugten Seiten ohne eigenen Inhalt veröffentlichen
Unser Fazit nach einem Jahr
Die KI ist ein hervorragender Assistent und ein schlechter Autor. Sie beschleunigt Handwerk, ersetzt es aber nicht, und der Unterschied wird auf Websites sichtbar: Texte mit echtem Wissen dahinter überzeugen Kunden und bestehen Updates, Einheitsbrei tut beides nicht. Für Betriebe aus der Region heißt das ganz praktisch: Nutzen Sie die Werkzeuge, aber geizen Sie nicht mit dem, was nur Sie beisteuern können. Genau dieser Anteil macht den Text wertvoll, für Leser wie für Google. Und falls Sie dafür Unterstützung möchten: Das Zuhören am Anfang ist ohnehin der Teil unserer Arbeit, den wir am wenigsten hergeben würden.